Klaus J. Eble - ein "echtes" Mitglied der Familie Hanhart Klaus J. Eble - ein "echtes" Mitglied der Familie Hanhart

Klaus J. Eble - Hanhart


Bei der deutsch-schweizerischen Marke ist Klaus J. Eble Hanhart's Mann in Deutschland. Der Schwiegersohn von Willy Hanhart ist Firmen-Urgestein. Seit über 40 Jahren obliegt ihm die Fertigung von Präzisions-Stoppuhren - auf diesem Gebiet ist Hanhart Weltmarktführer. Als es der Marke Anfang der 1990er Jahre schlecht ging führte Eble sie aus der Krise.

Im Verbund mit Thomas Morf, dem neuen CEO von Hanhart (siehe unser Interview ) gelang ihm der Sprung vom historischen "Dinosaurier" Hanhart zur modernen Marke mit zeitgemäßem Auftritt.

Ein Blick in die Schatzkiste: Watch-Magazin-Herausgeberin Karin Koch mit Klaus J. Eble Ein Blick in die Schatzkiste: Watch-Magazin-Herausgeberin Karin Koch mit Klaus J. Eble

Als Watch-Magazin im August 2011 in Gütenbach, dem deutschen Standort von Hanhart, mit Klaus J. Eble zum Interview zusammen traf war eigentlich geplant, den "Grand Seigneur" als kontrastreiches Gegenstück zum dynamisch-frischen Hanhart-Chef Thomas Morf darzustellen. Es zeigte sich jedoch vom ersten Satz an, dass ein solcher Kontrast zwischen den beiden Hanhart-Frontmännern überhaupt nicht existisert. Generationsunterschiede - sicher. Ansonsten aber herrscht eine ausgeglichene Übereinstimmung zwischen Eble und Morf, die einem rundum das Gefühl gibt: hier arbeiten zwei Gleichgesinnte an ihrem Projekt; und jeder bringt seine Erfahrungen, Fähigkeiten und Kompetenzen ein.

 

Schulterschluss statt Generationskonflikt. Das liegt ganz sicher auch an einer hervorstechenden Charaktereigenschaft von Klaus J. Eble: obwohl er ein gestandener Unternehmer vom (guten) alten Schrot und Korn ist, zeigt er sich auf bewundernswerte Weise offen für Neues, Innovatives und Kreatives.

 

Klaus J. Eble ist ein Fachmann auf beiden Gebieten: Dem Uhrengeschäft und dem Menschlichen.

 

Hier das Interview:

 

Watch-Magazin:

Herr Eble - bei Hanhart tut sich etwas, das man auf den ersten Blick vielleicht als "unmöglich" bezeichnen könnte. Es wird die historische Legende Hanhart verbunden mit einer neuen, modernen Produktlinie. Das war sicher nicht einfach. Meine erste Frage ist:

Sind Sie so etwas wie das "Historische Gewissen" von Hanhart?

 

K.J. Eble:

Ich bin sicher ein historisches Gewissen - wobei ich aber auch eine gewisse Flexibilität entwickle, wenn ich kompetente Partner habe, bei denen ich Ehrlichkeit und eine Liebe zu Hanhart entdecke.

 

Watch-Magazin:

Kompetente Partner - dieses Stichwort führt uns zu Thomas Morf, dem Hanhart-Mann in der Schweiz, der es, denke ich, gut versteht, die neue Hanhart-Linie zu etablieren  und dafür zu sorgen, dass Hanhart zeitgemäß ist.

Ich habe mit ihm vor ein paar Tagen gesprochen, und er sagte mir, dass er mit Ihnen so gut kann, weil Sie bemerkt und erkannt haben, dass er die Marke Hanhart verinnerlicht hat. Dass er Hanhart - er nennt es "Herrn Ebles Kind" - mag.

 

Ich glaube, das stimmt - oder?

 

K.J. Eble:

Das ist absolut richtig.

Bei Herrn Morf hat mir vom ersten Kontakt an (der nunmehr über ein Jahr zurück liegt) gut gefallen, das er Hanhart mag. Und dass er eine Freude daran hat, etwas zu entwickeln auf der Basis dessen, was vorhanden ist; der auf der andererseits die Uhrenbranche und die Notwendigkeiten der heutigen Zeit sehr gut kennt und deshalb auch sehr erfolgreich arbeiten kann - auf dem Fundament der Historie und des technischen Know-how, das wir hier im Hause haben.

Mir gefällt mehr als gut, was er für Hanhart im (knappen) letzten Jahr erreicht hat.

 

Watch-Magazin:

Wir wollen versuchen, für die Leser ein wenig auseinander zu nehmen, wie die Konstellation bei Hanhart jetzt ist:

Es gibt nach wie vor Hanhart in Gütenbach (Deutschland) und in Diessenhofen (Schweiz). Wie sind die Aufgaben verteilt?

 

K.J. Eble:

Es ist zunächst einmal so: Herr Morf hat die Markenführung von Hanhart inne. Das heißt, wie die Entwicklung in Zukunft aussehen wird entscheidet Herr Morf. Ansonsten beschäftigt sich Hanhart Diessenhofen mit Marketing, Vertrieb, Produkt-Management und der Entwicklung der Modelle, die auf den Markt kommen.

Wir in Gütenbach sind zwar im Vertrieb noch tätig mit den Stoppuhren in den Schienen Industriebedarf, Sport und Laborbedarf - jedoch überhaupt nicht mehr im Juwelier-/Uhrmacher-Geschäft.

Unsere Hauptbeschäftigung im Augenblick liegt darin, die technische Kompetenz für Chronographen- und Armbanduhren im Hause weiter auszubauen. Wir sind bekanntlich in der Stoppuhrenfertigung - die ja sehr verwandt ist mit den Chronographen - sehr stark, sehr gut. Qualitativ haben unsere robusten und präzisen Stoppuhren praktisch keine Gegner. Wir exportieren quasi in die ganze Welt. Kanada, Südamerika, Japan, Afrika - so ziemlich jeden Winkel der Erde beliefern wir.

 

Bei den Chronographen haben wir uns bisher auf die relativ einfachen Techniken berufen, sind aber dabei, sehr deutlich aufzubauen. Dazu gehört zur Zeit die Einstellung weiterer Uhrmacher für den Entwicklungsbereich, aber auch - sagen wir mal - einen gehobenen Service zu installieren; also einfach die gesamte Kompetenz für den Armbanduhren-Bereich auszubauen.

 

Watch-Magazin:

Das führt mich zu einer Frage, die uns von Hanhart-Liebhabern und -Sammlern immer wieder gestellt wird; ich weiß, sie ist nicht leicht zu beantworten:

Wird es mal wieder ein Hanhart-eigenes Kaliber Uhrwerk-Kaliber geben?

 

K.J. Eble:

Ich bin davon überzeugt. Wir sind dazu auch in einer Art Vorplanungsphase und werden uns damit beschäftigen - und zwar gerne.

Aber es ist eben auch eine Tatsache: die ursprünglich von Hanhart gefertigte Technik für Chronographen erfüllt nicht mehr die Ansprüche der heutigen Käuferschicht von modernen Chronographen. Und genau da gibt es einige Spagate zu vollführen; es ist noch viel Vorarbeit nötig.
Aber ich denke, dass ich mit Herrn Morf einig bin, wenn ich sage dass wir beide davon träumen, dies in absehbarer Zeit zu realisieren.

 

Watch-Magazin:

Das wird viele Hanhart-Fans freuen!

 

Hanhart baut schöne, klassische und auch moderne Uhren. Hanhart war aber vor allen Dingen immer dafür bekannt, Instrumentenuhren zu fertigen, die tatsächlich von bestimmten Berufsgruppen benutzt worden, um ihre Arbeit präzise erledigen zu können: Piloten, Ärzte, Laborkräfte, Rennfahrer.

Existiert die "Instrumentenuhr Hanhart" heute noch - in dieser Uhrenwelt, wo eigentlich Mode und Chic das Aussehen vieler Uhren vordergründig bestimmt?

 

K.J. Eble:

Ich würde sagen: die Käuferschicht separiert sich eben. Es gibt die Konsumenten, die Schmuck- und Glitzeruhren tragen möchten - auf der anderen Seite gibt es eine große Anzahl von Käufern, die eine Instrumentenuhr bevorzugen.

Wieder darf ich hier Herrn Morf erwähnen, der es in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit bestens verstanden hat, herauszuschälen und zu definieren, was wir auf den Markt bringen wollen.

Wir sind uns jedenfalls einig, dass wir die Kunden, Interessenten und Liebhaber von Instrumentenuhren letztendlich lieber bedienen als die Freunde von reinen Schmuckuhren.

 

Watch-Magazin:

Hanhart hat - neben dem vielleicht klassisch zu nennenden Bereich der Fliegerei - immer auch Großes auf dem Gebiet des Motorsports geleistet. Vor etwa einem Jahr saßen wir genau hier zusammen mit einem bekannten deutschen Motorrad-Rennfahrer und haben darüber nachgedacht, ob das eine Identifikations-Figur für Hanhart werden könnte.

"Mr. Hayabusa" Elmar Geulen ist mittlerweile Markenbotschafter von Hanhart - das hat also funktioniert.

 Wie finden Sie das?

 

K.J. Eble:

Mir gefällt das sehr gut. Es ist ein Teil der Geschichte von Hanhart - die Verbindung zum Motorsport. Ob das damals ein "Schorsch Meier" (Georg Meier, deutscher Motorrad-Rennfahrer; 1938 Vize-Europameister und Isle of Man-TT-Sieger auf BMW) war oder heute ein "Mr. Hayabusa" ist - sie gehören zur Historie von Hanhart, die immer mit dem Motorsport verbunden war.

Deshalb ist die Verbindung zu "Mr. Hayabusa" Elmar Geulen genial - würde ich sagen.

 

Watch-Magazin:

Ich will Ihnen zwei Fragen stellen, die ich auch Thomas Morf gestellt habe - quasi parallel, denn unsere Interviews finden fast zeitgleich statt.

Die erste Frage ist ein wenig provokativ, denn natürlich müssen Sie beide rein beruflich einen Hanhart-gefärbten Uhrengeschmack haben:

Was hat Klaus J. Eble für eine Lieblingsuhr?

 

K.J. Eble:

Oh - das ist eine gute Frage! Ich hatte bereits in den 1970er Jahren eine Hanhart-Uhr, die damals aber von einem Lemania-Werk getrieben war (ein Produkt aus den 1960er Jahren), und seither trage ich im Prinzip Hanhart. Die Modelle an meinem Handgelenk haben sich abgewechselt - von Sammlerstücken bis jetzt zu Hanhart-Chronographen aus der Produktionsphase 2007/08.

Bei der ersten neuen Serie mussten wir ja dann wieder Testuhren tragen, und ich trage diese noch immer mit bestem Gefühl.

 

Watch-Magazin:

Ich habe voriges Jahr auch eine bekommen, und trage sie ebenfalls immer wieder mit gutem Gefühl.

 

Zur letzten Frage:

Mit Herrn Morf und Ihnen hat Hanhart eine "Doppelspitze", wie ich es nach wie vor nenne, bei der natürlich auch zwei Generationen aufeinander treffen. Ist dieser "Intergenerations-Zustand" manchmal schwierig, oder ist vielleicht genau das die Triebfeder, die Hanhart heutzutage vorwärts bewegt?

 

K.J. Eble:

Also - ich habe es noch keine Sekunde als schwierig empfunden. Eine Triebfeder, wie Sie es nennen, ist ja auch nötig bei Hanhart. Thomas Morf ist diese Triebfeder.

Aber nochmal: es ist nicht schwierig. Natürlich diskutiert man mal über etwas und ist unterschiedlicher Meinung - kurzfristig, bis einer den anderen richtig verstanden hat. Aber das ist ganz normal.

 

Watch-Magazin:

Vielen Dank, Herr Eble - es war mal wieder schön; auch weil es bei Hanhart immer etwas ordentliches zu Essen gibt.

 

K.J. Eble:

Gern geschehen. Uns hat es gefreut, dass Sie mal wieder zu uns gekommen sind und es wie gewohnt in gemütlicher Atmoshäre zuging.