Thomas Morf Thomas Morf

Thomas Morf - CEO bei Hanhart

 

Thomas Morf ist viel herum gekommen.

Dies gilt direkt im territorialen Sinne und metaphorisch für seinen Weg im gehobenen Uhrenbusiness. Nach seinem Abschluss in mechanischem Ingenieurwesen und einem fundierten "training on the job" im IT-Business sah er eine klare Linie in Richtung berufliche Zukunft: er wollte sein Hobby zum Beruf machen.

Ihn faszinierten von je her Autos und feine, mechanische Uhren. Die Tatsache, dass es in seiner Heimat Schweiz keine Automobil-Industrie gibt, erleichterte ihm die Entscheidung - er wandte sich der Uhrenbranche zu.

 

Seinen Einstieg vollzog er mit Claude Meylan, einem kleinen, aber damals sehr kreativen Uhrenhersteller aus dem Vallée de Joux. Doch wie im Privatleben hält sich Thomas Morf auch in Sachen Karriere nicht lange bei der "Vorrede" auf. Bald erlebte ihn die Branche als Mann für den Asien-Pacific-Raum im Hause Maurice Lacroix.

Er lebte in Bangkok und Hong Kong, bis er schließlich 2001 zur Carl F. Bucherer-Group wechselte - in deren Markenportfolio finden sich u.a. Rolex, Patek Philippe, A.Lange & Söhne, Jaeger LeCoultre, IWC, Panerai, Vacheron Constantin und Audemars Piguet.

2010 dann entschied er sich, zu tun was ihn in beruflicher Hinsicht am meisten herausfordert: eine Marke aufbauen. Hanhart, der Traditionsmarke für hochpräzise Instrumentenuhren, mangelte es keinesfalls an Historie, Ruhm und wirtschaftlichem Erfolg.

Doch der traditionelle Hersteller von Fliegerchronographen und Marktführer für Präzisions-Stoppuhren wollte den Schritt ins moderne Zeitalter der mechanischen Uhren schaffen.

Der dazu nötige frische Wind sollte von Thomas Morf kommen, und dem gefiel die neue Aufgabe.

Ich gebe zu: als Hanhart-Fan mit großem Respekt für diese Marke, die mit Fug und Recht als ein wichtiger Teil deutsch-schweizerischer Uhrengeschichte bezeichnet werden darf, war ich anfangs nicht ohne Skepsis. Allzu oft erlebt die Branche das Scheitern verzweifelter Versuche, Klassik und Moderne zu kombinieren.

Als ich dann Ende 2010 erstmals mit Thomas Morf telefonierte merkte ich sofort: Hier bewegt sich etwas in eine absolut richtige Bahn. Als Manager steht er auf äußerst festem Boden - das bringen seine internationalen Erfahrungen mit sich. Und als Privatmann ist Morf so cool und authentisch wie die Musik und die Autos, mit denen er sich identifiziert. Kein schnöder Luxus - den mag er überhaupt nicht. Charakter und Charisma bestimmen, was ihm gefällt und was nicht.

Das folgende Interview habe ich mit Thomas Morf im August 2011 geführt. Es zeigt einen Mann, der weiß was er will und dabei auf jeglichen Pathos verzichtet:

 

Watch-Magazin:

Thomas Morf - ein Mensch - oder passender: ein Typ, den man spontan duzen möchte. Neben Ihren beruflichen Aufgaben, neben Ihrer
unbestrittenen Kompetenz im gehobenen Uhrenbusiness sind Sie vor allem eines: cool.
Rock'n Roll, charakterstarke Fahrzeuge, ein offenbar legerer Lifestyle. Ecken Sie in der oft so konservativ wirkenden Uhrenbranche da nicht manchmal an?

 

T.Morf: 

Ich lebe einen ehrlichen und authentischen Lebensstil. Ich will und kann mich nicht verstellen.
Ich liebe die Dinge welche sie oben erwähnt haben. Das ist nun einmal so. Wäre die Uhrenindustrie nur konservativ, wäre sie definitiv nicht mein Ding. Glücklicherweise gibt es auch noch andere Menschen in der Industrie, die ähnlich wie ich ticken.
Ich glaube die Menschen denen ich in der Industrie begegnet bin mögen mich genau wegen diesen Dingen. Meine Motto ist einfach: „no bullshit“

Deshalb gefällt mir Hanhart so sehr. Hanhart ist kein gemixter Cocktail mit x-Zutaten, Hanhart ist "Whiskey on the rocks". Das gefällt mir ...

 

Watch-Magazin:

Sie waren CEO bei C.F. Bucherer - einem Handelsunternehmen, in dessen Sortiment sich die klangvollsten Marken der obersten Uhrenetage hallo sagen. 2010 dann der Wechsel zu Hanhart, einer heutzutage vergleichsweise kleinen Marke - allerdings mit großer Tradition. Was ist der Reiz?

 

T.Morf:

Hanhart und Thomas Morf ist perfektes "Matchmaking". Ich liebe diese Marke, weil sie genauso tickt wie ich. Echt und ungekünstelt. Einfach ehrlich.
Hanhart hat eine Geschichte mit der sich wenige Marken messen können. Es ist nicht einfach eine Marketing-Marke, sondern hat seit jeher Spitzenleistungen in der Uhrenindustrie vollbracht - sei es bei Fliegerchronographen oder bei Stoppuhren - und verfügt über eine lückenlose Historie. Ich liebe es Marken aufzubauen, speziell mit einem so fantastischen Potential wie Hanhart.

Watch-Magazin:
Sie sind bekennender Fan einiger Rockbands der 1970er Jahre. Unter den Rockmusikern, Filmstars und Rennfahrern dieser Zeit finden sich
erstaunlich viele Uhrenfans, die teilweise sogar mit großem Sachverstand Uhren sammelten. Eric Clapton, Steve McQueen, Robert Redford, um nur einige Namen zu nennen. Was - glauben Sie - ist für diese offensichtliche Faszination verantwortlich?

T.Morf: 
Rockmusiker lieben eben auch echte Werte wie sie eine mechanischen Uhr ausstrahlt. Keine Musik aus der Konserve die von Computern generiert wird hat Seele wie Gitarre, Bass, Drums und Gesang. Dies ist genauso bei mechanischen Uhren der Fall. Eine mechanische Uhr hat Stil und Klasse und kann nicht mit einer elektronischen Uhr verglichen werden. Genau darum mögen echte Musiker Uhren mit Klasse ...

 

Watch-Magazin:

Ein Ausflug ins Land der Phantasie - wenn dort alles möglich wäre:
Sie dürfen sich aussuchen, in welcher Band (egal, ob noch existent oder nicht) Sie als aktiver Musiker mitspielen dürfen. Welche wäre das, und warum?

 

T.Morf:

Ich war schon seit sehr jungen Jahren ein totaler Deep Purple Fan. Speziell die Mark II Besetzung hat mir schon seit Kindheitstagen enorm imponiert und der harte aber trotzdem melodiöse Sound ist einmalig.
Ich würde gerne mit Ian Paice die Drumsticks tauschen und an einem Ludwig Drumset den Takt der Band angeben. Ein absoluter Traum.

 

Watch-Magazin:

Thomas Morf hat - ich zitiere Sie da wörtlich - "Benzin im Blut". Auf zwei und auf vier Rädern - was sind Ihre "Lieblingsspielzeuge"?

 

T.Morf:

Ich liebe Technik. Alles was auf Mechanik beruht hat mich immer fasziniert. Ich liebe Autos und Motorräder seit ich ein ganz kleiner Junge war.
Ich besitze Autos mit Charakter und Ecken und Kanten. Ich mag meinen Ford Mustang GT-350 H Baujahr 1965 sehr. Die Pony Cars der 60iger Jahre sind etwas ganz Besonderes. Der Sound und das Feeling dieser Fahrzeuge sind einmalig.

Auch meine umgebaute Triumph Thruxton als Einzelstück ist für mich fantastisch. Individuell, schön und zeitlos.

 

Watch-Magazin:

Mit Ihnen und Klaus J. Eble hat Hanhart sozusagen eine Doppelspitze, die wie ein personifiziertes Symbol der Vereinigung modernen Marketings und traditioneller Chronographen-Fertigung wirkt.
Kommt es da schon mal zu Reibungspunkten? Oder ist etwa gerade diese Symbiose die Kraftquelle, aus der Hanhart heute schöpft?

 

T.Morf: 

Wir haben überhaupt keine Probleme mit der Zusammenarbeit, denn die Gesamtleitung von Hanhart liegt bei mir. Klaus Eble und ich stimmen uns regelmäßig ab. Wir wollen ja Hanhart für die Zukunft fit machen und die Marke global sauber positionieren. Dieses Geschäft kenne ich sehr gut und da liegen meine Stärken.

Klaus Eble muss bis zu seiner verdienten Pensionierung mithelfen unsere ambitiösen Ziele zu erreichen. Auch ich kann noch viel von seinem Know-How profitieren.

 

Watch-Magazin:

Die neue Kollektion von Hanhart-Chronographen ist tasächlich eine gelungene Kombination aus traditionellen Werten und zeitgemäßem Design. So eine Gratwanderung zwischen Historie und Moderne wird oft probiert - selten gelingt sie so gut wie bei Hanhart. Die Etablierung im sogenannten"Luxussegment" schreitet mit Siebenmeilenstiefeln voran. Was ist das Geheimnis?

 

T.Morf:

Ich würde das Wort Luxus nicht überstrapazieren, denn Luxus und Hanhart passen nicht zusammen. Wir sind eine Premium Marke und bauen Instrumentenuhren im Spitzenbereich.
Das Rezept ist relativ einfach. Wir wissen was für Hanhart richtig ist und wohin wir mit der Marke wollen. Die Chronographen und die Stoppuhren bilden das Herz der Marke. Dies ist die Stärke von Hanhart.
Hanhart hat in allen Belangen eine glasklare Ausrichtung. Wir nutzen die Historie und die klassischen Designelemente und versuchen, diese in die Neuzeit zu bringen. Dies ist uns bislang sehr gut gelungen.
Die Produktepalette ist bis 2015 definiert und alles was aus unseren Ateliers kommt wird den Konsumenten begeistern.

 

Watch-Magazin:

Mit Klaus J. Eble steht Ihnen einer der großen Senioren klassischer Chronographen-Fertigung zur Seite. Haben Sie manchmal das Gefühl, die Fußabdrücke dieses Hanhart-Urgesteins sind zu groß?

 

T.Morf:

Nein - überhaupt nicht, denn ich habe die Marke Hanhart verinnerlicht. Ich weiß genau was die Marke braucht und Klaus Eble spürt meine Leidenschaft für "sein Kind".

Ich habe größten Respekt vor seiner Leistung. Er hat aber auch gesehen, dass Hanhart frischen Wind braucht und die neue Crew diesen Wind mitbringt.

 

Watch-Magazin:

Nochmal zum Thema Musik: Die Schweiz hat eine - zwar überschaubare - aber gute Musikszene, deren Spitzen zur international ersten Garnitur gehören.

Sie sind Schweizer - welche Vertreter der Schweizer Szene mögen Sie besonders?

 

T.Morf:

Speziell die Band "Young Gods" finde ich einen absoluten Knaller. Ihr Sound hat so manche internationale Band inspiriert. Ihr Post-Industrial-Style ist wirklich einzigartig und die Musiker sind vom Feinsten. Ein absolutes "must" für einen Musikfreak.
Großen Respekt habe ich auch vor der Band "Yello", welche den Elektrosound nachhaltig beeinflussten. Very cool ...

 

Watch-Magazin:

Natürlich müssen Sie als CEO von Hanhart einen beruflich gefärbten Uhrengeschmack haben, aber: hat der Privatmann Thomas Morf eine Lieblingsuhr?

 

T.Morf:

... und jetzt kommts: Ich liebe seit jeher Chronographen. Chronographen sind für mich die perfekten Männeruhren. Technik gepaart mit Sportlichkeit. Das mag ich sehr.
Meine derzeitige Lieblingsuhr ist die Pioneer TwinDicator, welche Hanhart an der Baselworld 2011 präsentiert hat. Vintage - mit Innovation gepaart und einem zeitlosen Design.
Ich mag auch Panerai und Graham-Uhren.

 

Watch-Magazin:

Der deutsche Profi-Rennfahrer und mehrfache Weltrekordler "Mr. Hayabusa" Elmar Geulen ist neuer Markenbotschafter von Hanhart. Er gilt als der Rockstar der deutschen Motorrad-Rennszene. Warum hat sich Hanhart für diese Partnerschaft entschieden?

 

T.Morf:

Ich mag unkonventionelle Menschen, welche sich nicht am "Mainstream" orientieren. Elmar Geulen ist so einer. Ein super Typ, mega sympathisch und trotzdem ein Haudegen. Authentisch und echt, genau wie Hanhart.

 

Watch-Magazin:

Wenn Sie sich entscheiden müssten zwischen einer Gitarre nebst Verstärker aus dem Besitz von Jimi Hendrix oder einem 1965er Shelby-Mustang GT-350 von Steve McQueen - was wäre Ihre Wahl?

 

Puhhhhhh, eine schwierige Frage! Ich würde den Mustang nehmen, denn ich spiele leider keine Gitarre. Den Mustang könnte ich fahren und das Feeling genießen.